Georg Spalatin und sein Wirken in Altenburg 1525–1545
von Björn Schmalz Thüringisches Staatsarchiv Altenburg (Hrsg.)
ISBN: 978-3-86729-048-7
1. Auflage 2009
Format: 15 x 23 cm
168 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Preis:
19,80 €

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Das Zusammenspiel der beiden Hauptprotagonisten am Ausgangspunkt der Reformation, Martin Luther und Kurfürst Friedrich der Weise, ist ohne die Vermittlungstätigkeit Georg Spalatins (1484 –1545) undenkbar. Sein Wirken einerseits als Geheimsekretär und weltlicher Rat, andererseits als geistlicher Ratgeber und Seelsorger von Kurfürst Friedrich, erklärt den Einfluss, den er auf den tiefgläubigen Fürsten ausüben konnte. So muss es insbesondere als Spalatins Verdienst angesehen werden, dass der Kurfürst schützend seine Hand über Luther hielt und sich die Reformation entfalten konnte. Ist dementsprechend die Rolle Georg Spalatins bis zum Jahr 1525 greifbar, weitgehend unbestritten und im Hinblick auf die quellenkundliche Erschließung gediehen, bleibt eine genauere Betrachtung des Lebensabschnittes von 1525 bis 1545, in welchem Georg Spalatin hauptsächlich in Altenburg wirkte und lebte und aufgrund seiner Vollmachten als lutherisch gesinnter Pfarrer, Visitator und Superintendent mannigfaltigen Einfluss auf den Reformationsverlauf in der ehemaligen Residenzstadt nahm, weiterhin ein Desiderat der Forschung. Diese Lücke hat der Autor nun nach intensiver Forschungsarbeit mit einer biografischen Skizze dieser 20 Jahre des Lebens und Wirkens Georg Spalatins in Altenburg geschlossen. Zentral hierbei ist die Untersuchung, Einordnung und Wertung seiner Leistung für die praktische Umsetzung und folgende Konsolidierung der lutherischen Reformation in Altenburg. Den Kern der Monographie bilden die 43 größtenteils bisher unveröffentlichten und in transkribierter Form wiedergegebenen Primär- und Sekundärquellen.
Die Publikation erscheint in der Reihe der Veröffentlichungen des Thüringischen Staatsarchivs Altenburg.
Altenburg, die seit 1485 zum Kurfürstentum Sachsen der ernestinischen Linie des Hauses Wettin gehörende mittelgroße Residenzstadt, wurde frühzeitig ein Austragungsort der Auseinandersetzungen um die »Causa Lutheri«. Die in der Forschung vielfach diskutierten Gespräche zwischen dem Commissarius apostolicus und Nuntius Karl von Miltitz (um 1490 –1529) und Martin Luther (1483 –1546) im Januar 1519 zeugen ebenso wie das frühe Eindringen der lutherischen Reformation in Altenburg unter Wenzeslaus Linck (1483–1547) von dieser Signifikanz. Darüber hinaus tritt Altenburg aber auch im historischen Ereignis Reformation als zwanzigjährige Lebens- und Wirkungsstätte Georg Spalatins (1484–1545) – des Reformators unter humanistischen Vorzeichen – hervor. Zwar wurde die für den Reformationsverlauf bedeutende Rolle Georg Spalatins einerseits als Geheimsekretär und weltlicher Rat, andererseits als geistlicher Ratgeber und Seelsorger des Kurfürsten Friedrich des Weisen bis zum Antritt der Pfarrstelle zu Altenburg 1525 in der wissenschaftlichen Forschung anerkannt, der Lebensabschnitt Spalatins der Jahre zwischen 1525 und 1545 und im Besonderen seine reformatorische Tätigkeit in Altenburg liegen dagegen weiterhin im Dunkeln. Dieses Dunkel durch quellenkritische Analysen der in den mitteldeutschen Archiven Altenburgs, Weimars und Leipzigs überlieferten Dokumente aufzuhellen, ist erklärtes Ziel dieser Einzeldarstellung.
Björn Schmalz zeichnet ein facettenreiches Bild von dieser komplexen Persönlichkeit. Spalatin hat durch verschiedene Händel und Konfrontationen mit der Stadtgeistlichkeit – insbesondere mit dem St. Georgenstift, dem Bergerkloster, dem Maria-Magdalenen-Nonnenkloster und dem Deutschordenshaus – sowie durch die bei den Altenburger Visitationen 1527, 1528 und 1533 getroffenen Verfügungen und Ordnungen hauptsächlichen Anteil an der praktischen Umsetzung und folgenden Etablierung der lutherischen Reformation in Altenburg. Seine Bemühungen um eine Dotierung und reichliche Ausstattung des Gemeinen Kastens der Stadt, um das Altenburger Schulwesen sowie um das Ehewesen werden reflektierend durch den Autor untersucht. Zusätzliche Kontur gewinnt Spalatin durch seine nicht nur religiös begründete Nächstenliebe, welche sich in allerhand Fürsprachen widerspiegelt und die an einer Vielzahl von Primärquellen nachgewiesen wird. Ein bisher unbekanntes Bild dieses Reformators entsteht durch die umfangreiche Untersuchung der mit der Stadt Altenburg bestehenden familiären und besitzrechtlichen Bindungen. Spalatins im zunehmenden Alter nachweisbare Verbitterung und Seelennot schließt die biografische Studie ab.
Björn Schmalz
geb. 1982, studierte an der Universität Leipzig Mittlere / Neuere Geschichte, Journalistik und Historische Hilfs- und Archivwissenschaften. Seit seinem Studienabschluss im Sommersemester 2007 arbeitet er an seiner Promotion über den Generalfeldmarschall Friedrich Heinrich von Seckendorff (1673 –1763) und dessen Verbindungen zur Res publica litteraria und zum Pietismus.
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