Katharina Kippenberg
»Herrin der Insel«
von Sabine Knopf
ISBN: 978-3-86729-051-7
1. Auflage 2010
Format: 15 x 23 cm
184 Seiten
80 einfarbige Abbildungen 1 farbige Abbildung Fadengeheftete Klappenbroschur
Preis:
18,00 €

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Katharina Kippenberg (1876–1947), die gemeinsam mit Anton Kippenberg das Programm des Insel-Verlages über Jahrzehnte bestimmte und im »Palazzo Chippi«, ihrem berühmten Haus in Leipzig-Gohlis, ein Zentrum geistigen Lebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schuf, erfährt in diesem Buch zum ersten Mal eine umfassende biografische Würdigung. Das ungewöhnliche Leben dieser hochbegabten Frau, deren Stationen Hamburg, Leipzig, Weimar, Walbeck und Marburg waren, ist ohne das ihres Lebensgefährten nicht vorstellbar, beider Zusammenarbeit war legendär, ihr Verlag besaß Weltruf, seine buchkünstlerisch herausgegebenen Bände sind bis heute gesuchte Sammelobjekte.
Rilke, Hofmannsthal, Zweig, Frank, Carossa, Däubler, Ricarda Huch, Becher, Lawrence, Virginia Woolf, Huxley u.a.m. – die Liste der mit Katharina befreundeten und von ihr geförderten Schriftsteller ist eindrucksvoll. Im Verlag und unter Autoren galt sie als »oberste Richterin«, als »Katharina die Große« und als »Herrin der Insel«. Weniges ist bisher über Verlegerinnen geschrieben worden, diese Arbeit möchte eine Lücke schließen und einen Beitrag zur Leipziger Verlags- und Kulturgeschichte leisten.
Aus dem Inhalt:
Katharinas Herkunft und frühe Jahre / Der junge Anton Kippenberg / Zur Vorgeschichte. Der frühe Insel-Verlag / Der Insel-Verlag unter Anton Kippenberg / Das alte Insel-Haus / Katharina Kippenberg – Lektorin und Verlegerin,
Autorin und Herausgeberin / Exkurs: Die Frauen-Bugra / Leiterin der Insel im Ersten Weltkrieg / Die Zwanzigerjahre / Im Dritten Reich / Die Autorin und Herausgeberin / Die Verlegerin und ihre Autoren (Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig, Hans Carossa, Theodor Däubler, Johannes R. Becher) / Der „Palazzo Chippi“ – Privathaus, Treffpunkt einer Elite und Goethemuseum / Das Gästebuch des Hauses / Anton Kippenbergs 50. Geburtstag / »Statthalter Goethes auf Erden« / Porträts und Kinder / Unterwegs und im »Exil« / Kuren und Reisen / Als Goethes Nachbarn in Weimar / Flüchtlinge in Walbeck / Die Zerstörung / Marburger Exil, Katharinas Tod / Ehrengedächtnis / Letzte Jahre und Tod Anton Kippenbergs
Anhang: Bibliographie der Schriften von Katharina Kippenberg / Literatur / Personenregister
»Wie wohl aufgehoben fühlte ich mich in Kippenbergs Villa in Leipzig-Gohlis«, hat Johannes R. Becher rückblickend im Jahre 1950 geschrieben. »Vor einigen Monaten habe ich diese heimatliche Stätte wieder aufgesucht, die zu einem Trümmerhaufen zusammengesunken ist. Als ich wieder nach Deutschland zurückkehrte, habe ich mich sofort bemüht, diesen großherzigen Menschen wieder zu begegnen ...«
Rezension von Herrn Eberhard Patzig, stellv. Vorsitzender des »Leipziger Bibliophilen-Abends«
»Marginalien«, Zeitschrift für Bibliophilie und Buchkunst:
Verlagsgeschichtliche Themen gehören naturgemäß zum Kanon bibliophiler Beschäftigung und garantieren bei einschlägigen Veranstaltungen stets zahlreiche Zuhörerschaft, was sich am 30. März 2010 bei der Premiere des Buches von Sabine Knopf »Katharina Kippenberg – Herrin der Insel« (Beucha, Markkleeberg: Sax-Verlag, 2010. 18 Euro. ISBN 978-3-86729-051-7) im Leipziger Haus des Buches erneut bestätigte. Sabine Knopfs handliches, gut bebildertes und praktisch benutzbares Buch (DIN-gerechte Anbringung der Fußnoten!) unternimmt den ersten Versuch einer umfassenden biographischen Würdigung von Katharina Kippenberg (1876-1947), der Ehefrau des Insel-Verlegers Anton Kippenberg (1874-1950). Kippenbergs überragende verlegerische Leistung läßt oft übersehen, daß seine Frau am Verlagsgeschehen aktiv beteiligt war und dies in einer für die Zeit ungewöhnlichen Intensität. Diesem Sinnzusammenhang ist die Knopfsche Arbeit verpflichtet. Sie zeigt, wie Katharina Kippenberg das Programm des Verlages über Jahrzehnte mitbestimmte und wie sehr sie dem Editionsspektrum neue Akzente verleihen konnte, hin und wieder auch gegen Anton Kippenbergs Willen. Und man kann dieser aus heutiger Sicht irritierendambivalenten Persönlichkeit den Respekt nicht versagen. Sabine Knopfs Buch verdeutlicht überraschend, welch immense Lebensleistung sie in den Verlag eingebracht hat. Die in Hamburg als Katharina von Düring geborene spätere Verlegerfrau stammte aus bremischem Uradel, ihre weiteren Lebensstationen waren Leipzig, Weimar, Walbeck und Marburg. 1903 beginnt sie an der Leipziger Universität ein Studium als Gasthörerin (ein reguläres Studium für Frauen gab es noch nicht) und hört Vorlesungen in Philosophie und Literatur. Im Juni 1905 lernt sie den aus Bremen stammenden Anton Kippenberg kennen, der wenig später in den Insel-Verlag eintritt und diesen von 1906 an bis 1950 leiten wird. Im Dezember 1905 heiraten der Lehrerssohn und das adelige Fräulein. Familienleben und Verlagsexistenz bestimmen gleichermaßen von nun an das Leben der Katharina Kippenberg, von der es heißt, sie habe ihre Rollen als Hausfrau, Mutter und Lektorin bewundernswert erfüllt. 1906 und 1910 werden die beiden Töchter geboren. Der Lebensstil der Kippenbergs trägt Katharinas Handschrift. Während Anton Kippenbergs Kriegsdienst in Flandern hält sie gar die Verlagszügel fest in der Hand. Selten wohl hat eine Frau im Verlagsgewerbe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine solche Bedeutung erlangen können. Dies schlüssig herausgearbeitet zu haben, ist eines der Verdienste dieses Buches. An diese Tatsache sollten wir uns hin und wieder erinnern, wenn wir das eine oder andere besonders geliebte Stück aus der Insel-Produktion in die Hand nehmen. Am Weltruf des Insel-Verlages hat Katharina Kippenberg ihren Anteil, nicht zu Unrecht hat Sabine Knopf deshalb ihrem Buch jenes Zitat von der »Herrin der Insel« als Untertitel beigegeben. Große und berühmte Namen zieren die Verlags- wie auch die Gästeliste der Kippenbergs: Rilke, Hofmannsthal, Stefan Zweig, Leonhard Frank, Carossa, Däubler, Ricarda Huch, Becher, Lawrence, Virginia Woolf, Huxley ... – ein Verlag als Spiegel seiner Zeit. Umso bestürzender das Ende: im Bombenhagel des Krieges gehen Verlag, Bücherlager und auch die Gohliser Villa der Kippenbergs zugrunde. Wenig kündet heute in Leipzig noch von Größe und Ausstrahlung dieses einstmaligen Verlages von weltliterarischer Bedeutung und ihrer Inhaber. Vor dem Hintergrund des endgültigen Wegzugs oder Absterbens von Verlagsunternehmungen, deren Namen signalhaft für einstigen Ruhm und Ruf der »Buchstadt« Leipzig stehen (und auch über die gewiß schwierigen Jahrzehnte der DDR bewahrt geblieben waren), erweisen sich solche Publikationen wie die vorliegende als nobel und hochanerkennenswert, weil sie Lücken schließen und auf Verluste aufmerksam machen und somit notwendig für jede Erinnerungsarbeit sind.
Eberhard Patzig
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